Viel Empathie und ein offenes Ohr
Jennifer Theis, Iserlohner Kreisanzeiger
Iserlohn. Mit einem freundlichen Lächeln, viel Verständnis und Empathie schenken die "Grünen Damen" etwas, das im hektischen Krankenhausalltag schnell zu kurz kommt, für die Patientinnen und Patienten aber sehr kostbar ist: viel Zeit und ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse und manchmal auch Sorgen. Im St.-Elisabeth-Hospital sind zurzeit sieben Frauen ehrenamtlich tätig und unterstützen die Mitarbeitenden in allen Bereichen, die über medizinische und pflegerische Tätigkeiten hinausgehen. Sie besuchen die Patienten auf ihren Zimmern, begleiten sie auf kleine Spaziergänge, führen Gespräche oder leisten Hilfe, wo sie gerade benötigt wird.
Die "Grünen Damen" sind unverzichtbar im St. Elisabeth-Hospital. Christine Böning (2. v.r.) leitet das Team.KKiMK
Petra Wölk, Annette Zimmermann, Christine Böning und Barbara Baran erzählen, was sie dazu bewegte, sich ehrenamtlich zu engagieren, und welche prägenden Ereignisse sie in ihrer Tätigkeit erlebt haben. Denn eins wird im Gespräch sofort deutlich: Es ist eine erfüllende, aber auch fordernde Aufgabe, die viele überraschende und oft auch emotionale Momente bereithalten kann. Für die Zukunft suchen die "Grünen Damen" dringend Unterstützung. Gerade die Corona-Pandemie habe enorme Einschnitte verursacht, die bis heute nachwirken. "Die Zahl der Ehrenamtlichen hat sich leider halbiert", erklärt Böning, die das Team leitet und ihm seit sieben Jahren angehört.
So bleibt man aber auch fit im Kopf. Und 10.000 Schritte schafft man hier am Tag auch locker.
Petra Wölk, neu im Team der "Grünen Damen"
Ein neues Gesicht konnten die Frauen in ihren Reihen vor rund einem halben Jahr begrüßen. Petra Wölk trägt seit Oktober den grünen Kittel, den eine kleine Kleeblatt-Brosche ziert. "Ich habe gerade ein paar Bütterchen geschmiert", sagt sie und lacht. Im Kreise der "Grünen Damen" sei sie sehr herzlich empfangen worden. "Alle sind so nett und ich mache die Arbeit super gerne. Ich bin auch behutsam an die Aufgaben herangeführt worden. Hier hat man mich nicht einfach ins kalte Wasser geworfen", sagt die 68-Jährige. Es gebe viel, worauf man achten müsse, denn jeder Patient habe individuelle Bedürfnisse. "Es gibt viel, was man sich merken muss", erklärt Wölk, während sie ihre handschriftlichen Notizen zeigt. "So bleibt man aber auch fit im Kopf. Und 10.000 Schritte schafft man hier am Tag auch locker", sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Die "Grünen Damen" hätten sie schon länger fasziniert. Als ihre Mutter stationär behandelt wurde, habe sie ihr von deren Arbeit erzählt. "Ich hatte schon immer ein kleines Helfersyndorm", gesteht die 68-Jährige. Ihr Mann habe sie dann ebenfalls dazu ermutigt, mitzumachen. "Seit ich in Rente bin, habe ich auch mehr Zeit", so Wölk, die in der technischen Abteilung von Medice tätig war.
"Es kommt uns aber so vor, als wärst du schon ewig bei uns", sagt Annette Zimmermann, die wiederum die "Dienstälteste" ist. Die 87-Jährige war ungefähr in Petra Wölks Alter, als sie sich den Helferinnen anschloss. Sie arbeitete zuvor als Marktmanagerin, pflegte sogar Kontakte ins Ausland. Als wichtigste Eigenschaft, die man für das Ehrenamt mitbringen muss, nennt sie Achtsamkeit. Sehen, wo Hilfe gebraucht werden kann, sei es die Sonne, die blendet, das Kissen, das eben zurechtgezupft werden soll, oder einfach ein herzliches Gespräch. Feste Aufgabenbereiche ließen sich gar nicht benennen, es käme immer wieder etwas Neues hinzu.
Man hört so oft, dass die Leute sagen, wie toll es ist, dass es uns gibt.
Christine Böning, leitet das Team
Viel Zuspruch und Dankbarkeit
Sich viel Zeit zu nehmen, sei auch das A und O, gerade für Menschen, die keine Angehörigen haben, die sie im Krankenhaus besuchen können. Während der Arbeit erfahre man viel Zuspruch und Dankbarkeit, berichten alle Frauen gleichermaßen aus Erfahrung. "Man hört so oft, dass die Leute sagen, wie toll es ist, dass es uns gibt", freut sich Christine Böning. Die 75-Jährige bringt aus ihrem Beruf viel Erfahrung in der Pflege mit. Sie ist ausgebildete Kinderkrankenpflegerin, war zudem in der ambulanten Pflege tätig und arbeitete unter anderem 25 Jahre lang als Lehrerin für Gesundheitsförderung am Friederike-Fliedner-Berufskolleg. Kontakt zu den "Grünen Damen" erhielt sie damals über eine Kollegin, mit der sie gemeinsam in der Hemeraner Kantorei gesungen hatte.
Pflege- und medizinische Aufgaben dürfen die Ehrenamtlichen nicht übernehmen, zum Teil seien die Auflagen über die Jahre strenger geworden. Demnach dürfen sie beispielsweise kein Essen an die Patienten reichen. Nur lediglich mithelfen, etwa bei der Vorbereitung der Mahlzeiten oder wenn die Patienten Unterstützung beim Essen benötigen.
Freudentränen am Krankenhausbett
Es können oftmals die kleinen Gesten sein, die besondere Lichtblicke für die Menschen, die im Krankenhaus liegen, sind. Das beweist auch Barbara Barans Erfahrung. "Ich habe so viele tolle und prägende Begegnungen erlebt", erzählt die 77-Jährige. Menschen seien sogar in Tränen vor Rührung ausgebrochen, obwohl sie, wie sie erzählt, nur Kleinigkeiten erledigt habe. So habe sie für eine Frau im Krankenhaus, die "einfach alles über Promis wusste", aus der Cafeteria ein Magazin geholt. Auch ein paar Gummibärchen und Lakritz von dort sorgten bei einem anderen Patienten für Freudentränen. Momente, die man einfach nicht vergessen könne.
Immer wieder führe man auch intensive und persönliche Gespräche mit den Menschen. "Wenn Patienten meinen Akzent hören, fragen sie oft nach. Viele kommen auch aus Schlesien und wenn wir uns dann über die Heimat unterhalten, ist eine Stunde quasi direkt vorbei", sagt sie lächelnd. Einige der Älteren, die im Krankenhaus behandelt werden, haben Erfahrungen mit Krieg und Flucht, auch aus deren Erfahrungen heraus folgen lange Gespräche. "Manchmal sind es auch Dinge, über die sie mit der Familie nicht sprechen können", so Baran.
Ich habe so viele tolle und prägende Begegnungen erlebt.
Barbara Baran, "Grüne Dame"
Ihr Weg zu den "Grünen Damen" war für sie fast schicksalhaft. Als sie in den 90er-Jahren eine schlimme Diagnose erhielt, kam sie erstmals in Kontakt mit den Ehrenamtlichen. Ein Buch, das sie von einer Dame erhielt, habe ihr durch die schwere Zeit geholfen, und das sei eine Erinnerung, die sie bis heute präge. Auch danach kam sie während anderer Aufenthalte im Krankenhaus mit ihnen in Kontakt und fasste später den Entschluss, ebenfalls in diesem Ehrenamt aktiv zu werden und die guten Taten gewissermaßen weiterzugeben.
Wer sich den "Grünen Damen", die inzwischen schon seit 1988 im Elisabeth-Hospital vertreten sind, anschließen möchte, ist herzlich willkommen. Ein Aufruf, der sich bewusst auch an Männer richtet. Die Arbeitszeiten lassen sich recht flexibel gestalten, erklären die Ehrenamtlichen. Zurzeit übernimmt jede von ihnen jeweils einen Tag. Weil noch Helfer gesucht werden, die bei der Vorbereitung des Frühstücks unterstützen können, wären vor allem auch helfende Hände in der Früh gebraucht.
Das Wichtigste ist Achtsamkeit.
Annette Zimmermann, am längsten im Team
Neben regelmäßigem Austausch in Teamgesprächen findet auch monatlich ein Stammtisch statt. Zudem hoffen die Frauen in Zukunft, wieder Fahrten unternehmen zu können. "Dafür sind wir momentan leider einfach noch zu wenige, damit es sich wieder lohnt", sagt Christine Böning. Damals ging es für mehrere Tage gemeinsam nach Weimar, Erfurt oder Dresden. Reisen dieser Art wolle das Team gerne wieder unternehmen.
Wer sich für das Ehrenamt interessiert und die "Grünen Damen" künftig unterstützen möchte, kann sich direkt an das St.-Elisabeth-Hospital wenden. Der Kontakt wird dann vermittelt.