Überraschungen fürs Herz: Besondere Aktion im Kreis Gütersloh wird immer beliebter
Monika Möllenbrock und ihre Tochter Celine, die im elterlichen Unternehmen tätig ist, füllen immer wieder neue Tüten mit haltbaren Lebensmitteln.Waltraud Leskovsek
Rheda-Wiedenbrück. Schon vor vielen Jahren haben Monika Möllenbrock und ihre drei Kinder zu Weihnachten Päckchen gepackt und Bedürftigen geschenkt. "Das war immer ein festes Ritual und unsere Mädels haben von ihrem Taschengeld etwas für die Präsente abgegeben", erzählt die 55-Jährige. Diese Tradition setzt die Geschäftsfrau vor - in einem viel größeren Stil.
Seit sechs Jahren betreibt Monika Möllenbrock mit ihrem Mann Thomas den Einkaufsmarkt "Nah und Frisch" an der Hellingrottstraße. Der ist für viele Menschen aus dem Quartier der Nahversorger, man kennt sich. In den ersten Jahren haben die Möllenbrocks im Advent für sich einige Kartons mit haltbaren Lebensmitteln gepackt und der Tafel gegeben. Vor drei Jahren hatte die Geschäftsfrau die Idee, daraus mehr zu machen.
Seither bezieht sie auch ihre Kundschaft ein. Deren Bereitschaft hatte sie bereits bemerkt, wenn Ursula Funke aus der St. Aegidius-Gemeinde mal mit einem leeren Einkaufswagen im Markt stand und die Einkäuferinnen um Lebensmittelspenden für die Tafelausgabe gebeten hatte. "Der Wagen war immer schnell gefüllt", erinnert Möllenbrock.
Es gibt auch etwas "fürs Herzchen"
Also packte sie Tüten mit Nahrungsmitteln, die Kunden für Bedürftige in Rheda-Wiedenbrück kauften. Das waren im ersten Jahr rund 200 Stück. Nun hat das mit seinen drei Töchtern und deren Freunden an einem eigentlich freien Sonntag rund 400 Papiertüten gefüllt. Sie beinhalteten Nudeln und Reis, Tee und Kaffee, Marmelade und Schokocreme, Konserven und Hygieneartikel, aber auch Plätzchen und andere Süßigkeiten "fürs Herzchen", sagt die 55-Jährige. Geordert hat das Unternehmer dafür deutlich mehr Waren.
Gerda Schultefrankenfeld und Gertrud Bünte haben zwei Collis mit Lebensmitteltüten bekommen. Die packen die Helferinnen der Tafel-Versteilstelle in St. Pius aus und eventuell um, damit jeder das bekommt, was er mag.Waltraud Leskovsek
Am Wochenende vor dem ersten Advent wurden die Tüten an der Kasse platziert. Ein Schildchen zeigt, was drin ist und was das kostet. Die Preise reichen von 5 bis 30 Euro. Wer eine kauft, zahlt an der Kasse und gibt die Tüte dort direkt wieder ab. Alle Gaben kommen auf einen großen Rollwagen und werden zu den Tafel-Verteilstellen St. Pius und St. Aegidius gebracht.
Von diesen Spenden profitiert nicht nur, wer einen Berechtigungsschein für die Gütersloher Tafel hat. Verschenkt werden die Lebensmittel auch an Menschen aus dem Einzugsgebiet beider Kirchen. Mitarbeiterinnen der Caritas-Konferenzen, die eng mit der den Ausgabestellen der Tafel zusammenarbeiten, kennen die Empfänger. Sie wissen, wem sie eine Freude machen können. Das sind Menschen mit einer sehr kleinen Rente, Alleinerziehende mit wenig Geld, Geflüchtete oder Personen, die wegen einer Krankheit oder eines Schicksalsschlags gerade knapp bei Kasse sind. Sie freuen sich über die Geschenke, mit denen sie gut über die Feiertage kommen.
Viele Kunden fragen schon im Herbst nach der Aktion
Der „Gabentisch“ im Geschäft bietet der Kundschaft Spendentüten für 5 bis 30 Euro. Abends war er meistens leer. |Waltraud Leskovsek
Nicht nur ihnen tut die Geschäftsfrau, sondern auch den Kunden. Viele fragten schon im Herbst nach dem Start der Tütenaktion. "Dass unsere Idee einmal so groß wird, hätten wir im Traum nicht gedacht", sagt Martina Möllenbrock. Es gäbe Einkäufer, die fast jedes Mal eine Tüte mitnähmen, andere bezahlten gleich für mehrere auf einmal. "Letztens hat eine Kundin sogar den ganzen Tisch leer gekauft", sagt die Lebensmittelmarkt-Chefin.
Auch in Ramona Wieckenbrocks Einkaufskorb wandert wie selbstverständlich eine Tüte. "Man kann helfen, ohne Arbeit damit zu haben, hat aber das gute Gefühl, dass es an der richtigen Stelle ankommt", betont die junge Frau. Sie unterstütze "diese tolle Aktion gerne".
An den erhöhten Umsätze in ihrem Geschäft bereichern sich die Möllenbrocks nicht. Vom zusätzlichen Gewinn kaufen und spenden sie für den letzten Verteiltag der Tafel frische Lebensmittel wie Käse, Milch, Joghurts, Sahne, Obst, Gemüse und Wurst, damit die Beschenkten nicht nur abgepackte Lebensmittel zum Weihnachtsfest haben.
Adventlicher Treffpunkt bringt rund 4.000 Euro
Damit nicht genug, bauen die Geschäftsleute am Freitag und Samstag vor dem ersten Advent vor ihrem Laden auch eine Losbude aufgebaut, bestückt mit Preisen, die Monika Möllenbrock bei heimischen Einzelhändlern und Gastronomen gesammelt hat. 1.500 Lose wurden verkauft. Die Hauptpreise spendiert das Ehepaar: einen großen Fernseher und einen Einkaufsgutschein über 150 Euro.
Ramona Wickenbrock kauft regelmäßig im "Nah & Frisch" ein und bezahlt auch gerne für eine Spendentüte, auf der steht, was drin ist und was sie kostet.Waltraud Leskovsek
Angeboten werden zudem Currywurst, Pommes, Gulaschsuppe, Glühwein und Kaffee. Der Erlös der vorweihnachtlichen Veranstaltung, bei der die Bewohner des Viertels gerne zusammenkommen, lag jetzt bei 4.023 Euro. Das Geld geht an die Caritas. Von der erfahren die Möllenbrocks Namen bedürftiger Familien, für die sie gezielt Gutscheine für Kleidung, Sportschuhe, Schlafanzüge oder kleine Spielzeuge kaufen. "Kinder müssen neben Essen etwas für sich haben", meint die Chefin.
Fast 600 Tüten waren es in diesem Jahr. Einige Hundert gingen an die Verteilstelle von St. Pius . Dort öffnen Gerda Schultefrankenfeld und Gertrud Bünte sie und verteilen den Inhalt gezielt. Sie wissen, wer keine Konserven mit Schweinefleisch möchte oder wer mit Sauerkraut nichts anfangen kann - oder sich besonders darüber freut. "Es ist so schön, dass wir all’ unseren Leuten, die regelmäßig auch in die Kleiderkammer kommen, etwas geben können", sagt Schultefrankenfeld. Sie erfahre unglaublich viel Dankbarkeit und nennt das Engagement der Familie Möllenbrock herausragend und beispiellos.
Für Monika und Thomas Möllenbrock ist aus ihrem privaten Tun ein wichtiges Projekt geworden. "Herzblut braucht man dabei schon", meint die Geschäftsfrau. Sie freut sich, dass ihre Familie mitzieht und auch viele der 16 Mitarbeitenden immer wieder mit anpacken bei diesem von Mitmenschlichkeit geprägten Gemeinschaftsprojekt.
Quelle: Waltraud Leskovsek, freie Mitarbeiterin der Neuen Westfälischen