CKD präsentiert sich beim Impact-Festival
Ehrenamt trifft Gründungsgeist
Die stellv. CKD-Vorsitzende Doro Schulte diskutiert mit der Dozentin Dr. Sumaya Islam den Wert des Zuhörens.garage33/ Universität Paderborn
Seit sieben Jahren begleiten die Caritas-Konferenzen das Seminar "Social Entrepreneurship" von Dr. Sumaya Islam an der Universität Paderborn als Praxispartner. Sie waren an der Entwicklung des Formats beteiligt und bringen sich seitdem regelmäßig als Gäste oder Jurymitglieder ein. Beim diesjährigen Impact-Festival kamen neben Studierenden auch Angehörige, Netzwerkpartner der Universität sowie Gründerinnen und Gründer aus der regionalen Start-up-Szene zusammen, um die Ergebnisse des Seminars kennenzulernen.
Social Entrepreneurs sind Menschen, die Unternehmen gründen, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Ein bekanntes Beispiel ist die Suchmaschine Ecosia, die ihre Gewinne in Umweltprojekte investiert. Wie im Ehrenamt steht auch hier häufig der Wunsch im Mittelpunkt, die Welt ein Stück besser zu machen. Der Unterschied liegt vor allem in der Arbeitsweise: Social Enterprises entwickeln tragfähige Geschäftsmodelle, damit ihre gesellschaftliche Wirkung langfristig bestehen kann. Dieser andere Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen eröffnet spannende Möglichkeiten, voneinander zu lernen.
Erfahrungsschätze sichtbar machen
gespannt Lauschen die Gäste und Studierenden den unterschiedlichen Vorträgengarage33/ Universität Paderborn
"Unsere Studierenden haben sich in diesem Semester intensiv damit beschäftigt, wie Social Entrepreneurship funktioniert", berichtet Dr. Sumaya Islam. "Auf dieser Grundlage entwickelten sie eigene Unternehmensideen - was nicht immer leicht war." Im Mittelpunkt standen Menschen am Übergang in den Ruhestand und die Frage, wie deren Erfahrungen und Kompetenzen stärker genutzt werden können. Bei ihren Recherchen stellten die Studierenden fest, dass viele ältere Menschen über einen großen Erfahrungsschatz verfügen, der nach dem Berufsleben oft kaum noch sichtbar ist. Die entwickelten Konzepte zielten deshalb darauf ab, dieses Wissen mit Unternehmen und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zusammenzubringen - etwa bei der Integration internationaler Fachkräfte und ihrer Familien oder bei der Bewertung neuer Geschäftsideen.
Zum Abschluss präsentierten vier Gruppen ihre Konzepte beim Impact-Festival einer externen Jury, der unter anderem Prof. Rüdiger Kabst angehörte. Den Auftakt bildete die rund 20-minütige Keynote von Doro Schulte über die Arbeit der Caritas-Konferenzen.
Gemeinsam mehr erreichen
"Wir sind 15.000 Ehrenamtliche und leisten jährlich rund eine Million Arbeitsstunden. Auch wir befinden uns in einer Übergangsphase. Wir sind zwar eng mit der Kirche verbunden, arbeiten aber zugleich intensiv mit externen Partnern zusammen. Unsere Strukturen werden flexibler und wir entwickeln und verbreiten erfolgreiche neue Projekte wie die Plauderbank, generationenübergreifendes Kochen oder Reparatur-Cafés."
Philipp Battisti von STEETS erzählt von seinen Erfahrungengarage33/ Universität Paderborn
Die Vielfalt des Engagements und die dahinterstehenden Haltungen hinterließen Eindruck. Im anschließenden Gespräch fragte Dr. Islam: "Was kannst du den Studierenden mit auf den Weg geben?"
"Seid offen. Hört zu und verurteilt nicht. Manche Menschen und Geschichten brauchen einfach Zeit - manchmal Jahre. Das hat mir auch bei der Leitung unseres Familienbetriebs oft sehr geholfen", antwortete Doro Schulte.
Diese Haltung spiegelte sich anschließend auch in den Präsentationen der Studierenden wider. Mehrfach wurden die Caritas-Konferenzen als möglicher Netzwerkpartner und als Inspiration genannt - beispielsweise, wenn es darum ging, schwierige Phasen einer Gründung zu meistern oder gesellschaftliche Ideen langfristig zu verankern. "Ich bin total begeistert, was für Ideen da entwickelt wurden. Das bringt nochmal ganz frischen Wind in das eigene Denken. Mir gibt das wirklich viel, was die Studierenden da entwickelt haben.", kommentiert Doro Schulte.
Die Abschluss-Keynote hielt Philipp Battisti, Mitgründer des Paderborner Start-ups STEETS. Gemeinsam mit seinem Gründerteam entwickelte er eine Gehhilfe, die sich selbstständig aufrichten lässt. Bundesweit bekannt wurde das Unternehmen durch den Auftritt in der Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen". Dort machte eine eindrucksvoll inszenierte Demonstration deutlich, welchen Unterschied die Innovation für viele ältere Menschen machen kann. Für Battisti sind neben Ausdauer vor allem Teamgeist und Humor entscheidend, um aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen entstehen zu lassen.
Gerade hier zeigte sich, wie Ehrenamt und Social Entrepreneurship voneinander profitieren können. Innovative Produkte und Dienstleistungen verbessern den Alltag vieler Menschen, während ehrenamtliche Netzwerke dazu beitragen können, solche Ideen bekannt zu machen und die Menschen zu erreichen, die davon profitieren. Umgekehrt entstehen aus den Erfahrungen ehrenamtlicher Arbeit immer wieder neue Impulse für gesellschaftliche Innovationen. So nutzten beim abschließenden Get-together auch zwei Gründer die Gelegenheit, mit Doro Schulte über mögliche Kooperationen ins Gespräch zu kommen.
Auf den ersten Blick mag die Verbindung von Universität, Start-up-Szene und Caritas-Konferenzen ungewöhnlich erscheinen. Doch wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und sich gegenseitig bereichern, entstehen neue Ideen und unerwartete Kooperationen - ganz nach dem Motto: "Einfach mal machen!"