Armut im Blick – Begegnung auf Augenhöhe gestalten
Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden einer CKD-Veranstaltung am 13. Oktober im Geistlichen Zentrum Kohlhagen.
Geleitet wurde das Seminar von Rebekka Schade, Geschäftsführerin der Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn (CKD). Auch Anne Bartholome, 1. Vorsitzende, und Doro Schulte, 2. Vorsitzende des Diözesanvorstands, nahmen an der Veranstaltung teil.
Der Internationale Tag zur Beseitigung der Armut erinnert daran, dass Armut Menschen weltweit betrifft und gesellschaftliche Teilhabe erschweren kann. Auch in der ehrenamtlichen Arbeit vor Ort begegnen Engagierte Menschen, deren Lebenssituationen von finanziellen und sozialen Herausforderungen geprägt sind. Umso wichtiger ist es, genauer hinzuschauen, eigene Vorstellungen zu hinterfragen und unterschiedliche Lebensrealitäten wahrzunehmen.
Armut hat viele Gesichter
Anne Bartholome (CKD-Diözesanvorsitzende) betont die Wichtigkeit eines würdevollen MiteinandersCKD Paderborn
Ein besonderer Zugang zum Thema war die Biografie der Familie Papp, die sich den Teilnehmenden unter anderem über einen QR-Code und eine Audioaufnahme vorstellte. Ihre Lebensgeschichte bot Anlass, sich mit den unterschiedlichen Facetten von Armut auseinanderzusetzen. In anschließenden Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden vertiefend mit der Biografie und den damit verbundenen Fragestellungen.
Ein wichtiger Gedanke begleitete den Austausch: Armut ist nicht einfach das Ergebnis persönlicher Entscheidungen oder mangelnder Anstrengung. Auch die Herkunft, familiäre Umstände und die jeweiligen Lebensbedingungen können entscheidend dazu beitragen, ob Menschen von Armut betroffen sind. Diese Perspektive hilft, vorschnelle Urteile zu vermeiden und Menschen mit mehr Verständnis zu begegnen.
Scham erschwert es, Hilfe anzunehmen
Besonders intensiv diskutierten die Teilnehmenden darüber, warum gut gemeinte Hilfsangebote nicht immer angenommen werden. Scham spielt dabei häufig eine große Rolle. Wer auf Unterstützung angewiesen ist, möchte möglicherweise nicht als bedürftig wahrgenommen werden oder befürchtet, sich gegenüber anderen erklären zu müssen.
lebhaft werden die Impulse diskutiertCKD Paderborn
Das zeigt sich auch bei ganz konkreten Angeboten. So können beispielsweise gespendete Schultornister für Familien eine wichtige Unterstützung sein. Gleichzeitig können sie für Kinder mit Scham verbunden sein, wenn sie sich dadurch von anderen unterscheiden oder als bedürftig erkennbar werden.
Für die ehrenamtliche Arbeit bedeutet das, Hilfsangebote nicht allein aus der eigenen Perspektive zu beurteilen. Entscheidend ist, die Bedürfnisse der Betroffenen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die zu ihrer Lebenssituation passen.
Gemeinsam statt über andere hinweg
Wie kann Unterstützung gelingen, die Menschen nicht nur versorgt, sondern ihnen auch Teilhabe ermöglicht? Diese Frage zog sich durch die Gespräche und Übungen.
Ein Ansatz besteht darin, niedrigschwellige Begegnungen zu schaffen, bei denen Menschen unkompliziert miteinander in Kontakt kommen. Gemeinsame Koch- und Essensangebote können beispielsweise eine Gelegenheit bieten, Erfahrungen auszutauschen, Wissen weiterzugeben und Beziehungen aufzubauen. Auch die Frage, wie Lebensmittel aus Warenkörben und anderen Unterstützungsangeboten im Alltag verwendet werden können, lässt sich dabei praktisch aufgreifen.
Wichtig ist eine Haltung, die nicht vorschnell annimmt, was andere benötigen. Stattdessen geht es darum, nachzufragen, zuzuhören und Menschen einzuladen, ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten einzubringen - ohne daraus eine Verpflichtung zu machen.
Begegnung auf Augenhöhe bedeutet, Menschen nicht auf ihre Armut zu reduzieren. Sie bedeutet, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen, ihre Entscheidungen zu respektieren und ihnen Möglichkeiten zu eröffnen, das eigene Lebensumfeld mitzugestalten.
Ein Tag als Anlass, die eigene Haltung zu hinterfragen
"Familie Papp" steht stellvertretende für viele ArmutsbetroffeneCKD Paderborn
Der Internationale Tag zur Beseitigung der Armut ist nicht nur ein Anlass, auf soziale Ungleichheit aufmerksam zu machen. Er lädt auch dazu ein, das eigene Handeln zu reflektieren: Begegnen wir Menschen mit offenen Augen und Ohren? Fragen wir nach ihren tatsächlichen Bedürfnissen? Und ermöglichen wir ihnen, selbst Entscheidungen zu treffen und Angebote mitzugestalten?
Die Veranstaltung in Kohlhagen hat gezeigt, wie wichtig diese Fragen für das Ehrenamt sind. Unterstützung gelingt besonders dann, wenn Hilfsbereitschaft mit Respekt, Aufmerksamkeit und einer bewussten Haltung verbunden ist.
Austausch, neue Perspektiven und konkrete Impulse
Die Teilnehmenden brachten vielfältige Erfahrungen aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit ein und tauschten sich darüber aus, wo sie Menschen in schwierigen Lebenssituationen begegnen und welche Unterstützung vor Ort möglich ist. Die abwechslungsreichen Methoden, die anschauliche Vermittlung von Informationen und der offene Austausch trugen dazu bei, neue Perspektiven zu gewinnen und konkrete Ideen für die Praxis zu entwickeln.
Rebekka Schade (CKD-Geschäftsführerin) leitet den Fachtag auf vielfältige WeiseCKD Paderborn
Erfreulich war auch das große Interesse an der Veranstaltung. Viele Teilnehmende kannten sich bereits aus der Region und freuten sich über die Gelegenheit, sich bei kurzen Wegen miteinander auszutauschen.
Zum ersten Mal waren die CKD mit einer Veranstaltung im Geistlichen Zentrum Kohlhagen zu Gast. Für die Gastfreundschaft und die angenehme Atmosphäre bedanken wir uns herzlich.
Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die Offenheit, die lebendigen Gespräche und das gemeinsame Nachdenken. Die gewonnenen Impulse sollen dazu ermutigen, Vorurteile zu hinterfragen, Scham ernst zu nehmen und Menschen auf Augenhöhe zu begegnen - nicht nur am 17. Oktober, sondern jeden Tag.
Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.