Aktuelles Projekt

Am „Rockzipfel“ die Welt entdecken
Omis sind die Expertinnen im generationsübergreifenden Projekt der
CKD St. Johannes Baptist in Bad Arolsen
17 Frauen im Alter zwischen 64 und 79 Jahren (selbst Großmütter) betreuen einmal wöchentlich 20 Kleinkinder bis drei Jahren, damit die Mütter die Möglichkeit haben,
· die Zeit für eigene Besorgungen zu nutzen,
· untereinander in Kontakt zu kommen,
· Erfahrungen auszutauschen und
· die Erfahrungen der „Omis“ zu nutzen.
Beschreibung der Initiative
Die „Rockzipfelgruppe“ ist ein ausschließlich von karitativ Ehrenamtlichen der Generation 50+ initiiertes Projekt im Sozialbereich der Kleinstadt Bad Arolsen mit ca. 18.000 Einwohnern. Ziel der Gruppe ist es, jungen Müttern die Möglichkeit der Begegnung untereinander und der Entlastung zu ermöglichen. Gleichzeitig findet ein Austausch zwischen den Generationen statt. Frauen der Großmuttergenerationen setzen ihre Kompetenzen ein, um Kleinkindern und deren Mütter Kreisspiele, Liedgut und pädagogische Erfahrungen weiterzugeben.
Junge Mütter fühlen sich oft durch die Kinder allein auf sich gestellt, besonders wenn sie nicht berufstätig sind und die eigenen Eltern oder andere Verwandte nicht in der Nähe wohnen. Kindern fehlt oft der Kontakt zur Großeltern-Generation. Eingeladen sind alle jungen Familien der Stadt, unabhängig von Religions- oder Konfessionszugehörigkeit sowie Nationalität.
Entwicklung des Projekts:
Aufgrund persönlicher Erfahrungen aus der eigenen Familie wurde Anfang 2003 die Gruppe von Ehrenamtlichen der Generation 50+ gegründet. Frauen, die sich aus dem karitativen Engagement der katholischen Pfarrgemeinde kannten, stellten sich gemeinsam einem neuen Aufgabenfeld. Einmal in der Woche haben acht Frauen, die selbst Großmütter sind, junge Mütter bzw. Väter mit ihren Kindern, die noch nicht in den Kindergarten gehen, ins Pfarrheim der Gemeinde St. Johannes Baptist eingeladen.
Die Idee war zuerst, ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Zeit für sich selbst zu nutzen, z.B. zum Frisör oder Arzt zu gehen. Die „Omis“ wollten in dieser Zeit die Kinder betreuen.
Am Anfang haben nur wenige Mütter dieses Angebot angenommen.Nach zwei Jahren entwickelte sich das Projekt stärker zu einer Begegnungsinitiative.
Es engagieren sich 17 Frauen im Alter von 64 bis 79 Jahren. Zehn von ihnen bilden zwei feste Gruppen, die abwechselnd alle 14 Tage „Dienst“ haben. Die übrigen sieben „Omis“ stehen als Ersatz zur Verfügung.
Jeden Mittwoch von 10.00 – 11.30 Uhr kommen die Mütter bzw. Väter mit ihren Kindern im Alter bis zu drei Jahren. Das Interesse ist sehr groß, so dass die Anzahl der Kinder auf 20 begrenzt werden musste. Zurzeit stehen noch 15 Kinder auf der Warteliste.
Die auch nach sieben Jahren ungebrochen starke Nachfrage junger Mütter, an der Rockzipfelgruppe teilnehmen zu dürfen, bestätigt das große Bedürfnis, von den Kompetenzen der Großmütter-Generation profitieren zu können. Das Interesse an sinngebenden Ritualen und traditionellem, oft auch christlich geprägtem Liedgut sowie den Erziehungserfahrungen der „Omis“ beinhaltet eine hohe Wertschätzung für die ältere Generation. Immer neue Frauen der Großmütter-Generation sind bereit, junge Menschen an ihren Fähigkeiten teilhaben zu lassen und sich gleichzeitig für diese wichtige Aufgabe fortzubilden.
Gestaltung der Treffen:
Alle Kinder und Mütter werden mit einem Lied begrüßt. Danach werden noch ein bis zwei weitere Lieder gemeinsam gesungen. Die jungen Mütter lernen so von den „Omis“ Kinderlieder, die sie auch zu Hause mit den Kindern singen können.
Danach spielen die Omis mit den Kindern und passen auf, dass kein Kind sich verletzt, wenn es durch den Raum krabbelt. Für die Kinder stehen Getränke, Kekse und Obst bereit.
Die Mütter trinken in der Regel Kaffee und essen Kuchen, den sie abwechselnd mitbringen. Hierbei unterhalten sie sich, lernen sich kennen, tauschen sich aus und können auch die „Omis“ nach ihren Erfahrungen zu Kindererziehung, Rezepten zur Ernährung usw. befragen. Nur wenige Mütter nutzen die Zeit, um etwas zu erledigen, die generationsübergreifende Begegnung steht im Vordergrund.
Zum Abschluss gibt es wieder ein kleines Ritual, indem den Kindern, die in der Zwischenzeit Geburtstag hatten, ein kleines Geschenk überreicht und ein Lied gesungen wird. Es folgen noch weitere Lieder, zu denen auch kleine Gebärden durchgeführt werden. Zum Schluss wird immer nach einem wiederkehrenden Ritual das gleiche Lied gesungen.
Bei der inhaltlichen Gestaltung der Treffen orientieren sich die Frauen 50+ auch an den Jahreszeiten. Feste wie Ostern, Erntedank, St. Martin, Nikolaus, Advent und Weihnachten prägen Dekoration und Liedgut.
Fazit:
Diese Idee der generationsübergreifenden Krabbelgruppe hat bereits Kreise gezogen: In Bad Wildungen hat eine Caritas-Konferenz das Projekt aufgegriffen und in Korbach wurde die Idee vom Roten Kreuz übernommen.
Da eine große Nachfrage existiert, besteht z. Zt. Die Überlegung eine weitere Gruppe an einem anderen Tag zu gründen.
Aus den Erzählungen der Mütter wurde auch deutlich, dass der Einsatz von „Notfall-Omis“, die im Falle einer Erkrankung oder kurzfristiger Notfälle in der Familie zur Kinderbetreuung eingesetzt werden können, erforderlich wäre.
Kontakt: CKD-Diözesangeschäftsstelle